Die Naturforscher Brehm in Renthendorf (Beer, W.)

17,00  Preis inkl. MwSt.

Leseprobe: Beer_Leseprobe

Umfang: 144 S.

Preis: 17 Euro

 

Beschreibung

Zum Geleit

„Geschichte ist nicht nur Geschehenes,
sondern auch Geschichtetes –
also der Boden, auf dem wir stehen und Bauen.“
Hans von Keler

Wer die Vita von Willi Beer kennt, den wird die hier vorliegende Schrift nicht erstaunen. Ich habe ihn (obwohl wir beide Renthendorfer sind) aufgrund vieler Umstände, erst ab 2011 näher kennen gelernt. Eine immer wieder geäußerte Forderung von ihm an sich selbst und seine Gesprächspartner ist die nach Klarheit und Wahrheit in den Aussagen und im Handeln.
Mit diesem Anspruch – vor allem an sich selbst – begleitete ich ihn beim Schreiben seines ersten Buches „Aufstieg und Fall eines Staatsfunktionärs: Wende – Ende – Widerspruch“, welches 2016 in 1. und dann 2017 in überarbeiteter und erweiterter 2. Auflage gedruckt und als E-Book vorlag. Beim Recherchieren und Schreiben handelte Willi Beer praktisch unterschwellig (auch wenn er stets betont, seine Bücher sind nicht wissenschaftlich) nach den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis. Im Vorwort der Denkschrift der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ von 1998 geschrieben:
„[…] Wissenschaftliche Arbeit beruht auf Grundprinzipien, die in allen Ländern und in allen wissenschaftlichen Disziplinen gleich sind. Allen voran steht die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen.
Sie ist zugleich ethische Norm und Grundlage der von Disziplin zu Disziplin verschiedenen Regeln wissenschaftlicher Professionalität. d. h. guter wissenschaftlicher Praxis“
Hier bei den Brehm’s in Renthendorf, an diesen international bedeutenden Ort der Wissenschafts- und Literaturgeschichte, sollte dieser Anspruch an gute wissenschaftliche Praxis außer Frage stehen. Für meinen direkten Vorgänger im Amt des Direktors/Leiter der Brehm-Gedenkstätte, Klaus Fischer (der in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre an der Renthendorfer Brehm-Schule auch einer meiner Lehrer war) und für mich als amtierender Leiter ab 190/91 bis März 2012, waren die erst später, kurz vor der Jahreswende, niedergeschriebenen Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis stets Grundlage unserer Arbeit.
So erfreulich es ist, dass nun nach Jahrzehnten des Mühens, Bettelns, Anflehens … bei den fachlich, verwaltungsmäßig und politisch Zuständigen ein Wandel der Grundstimmung zu Brehm und Renthendorf sowie eine grundlegende Verbesserung der baulichen, materiellen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen um das Renthendorfer Brehm-Erbe eingetreten ist – auch hier trifft das obige Zitat von Hans von Keler zu.
Und wenn dann einer Willi Beer seit Jahrzehnten so nah am „Brehm-Puls“ war und ist, wundert es nicht, wenn ihn das oftmalige Verschweigen der Zeit vor 2012 oder die nicht selten einseitige Sicht auf die 2012 vorgefundenen Gegebenheiten um das Brehm-Erbe in den Medien und bei Gesprächen „aufstößt“. Wer die Vergangenheit als „Asche“ ortet, will von der Vergangenheit nichts wissen und ist auch nicht willens, dass zurückliegende Handeln der beteiligten Personen zu verstehen. Aber ist es nicht ein immenser Vorteil der Lebenden, eigentlich doch unser Privileg, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen, um aktuell klügere, intelligente Lösungen zu suchen und Entscheidungen zu treffen? Es sollte doch darum gehen, uns selbst und denen, die nach uns kommen, eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Hier in diesem Buch können Sie nun die Sicht von Willi Beer auf die Geschichte des Brehm-Erbes in Renthendorf lesen, welche eine andere als die seit 2012 öffentlich „promote“ ist. Herauszuheben ist seine am Ende des Buches formulierte Konsequenz, die exponierte Stellung der Forschung zu betonen.
Das Brehm-Erbe „zu retten“ verlangt vorrangig das wissenschaftliche Erbe nicht nur zu bewahren, sondern zu erforschen, auf unsere Zeit anzuwenden, weiterzuentwickeln sowie der Gesellschaft zu erschließen und zu vermitteln.
Ich wünsche dem Buch aufgeschlossene Leser, eine weite Verbreitung und einen sachlichen Meinungsstreit im Sinne der Naturforscherfamilie Brehm und ihres Erbes.
Renthendorf im Juni 2020
Jörg Hitzing
amtierender Leiter
der Brehm-Gedenkstätte Renthendorf
von 1990/91 bis März 2012